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Wechseljahresbeschwerden



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Wechseljahresbeschwerden (Östrogenmangelsyndrom, klimakterisches Syndrom): Körperliche und psychische Beschwerden während der Wechseljahre (Klimakterium). Sie dauern meist zwischen 6 Monaten und 3 Jahren, d. h. so lange, bis sich der Körper an die neue Hormonlage gewöhnt hat. Etwa jede dritte Frau in den Wechseljahren wünscht eine Behandlung ihrer Beschwerden.

Von vorzeitigen Wechseljahren (Climacterium praecox) sprechen Mediziner bei einem Beginn des Klimakteriums vor dem 40. Lebensjahr. Werden Eierstöcke operativ entfernt oder zur Behandlung einer Krankheit funktionsunfähig gemacht, kommen auch wesentlich jüngere Frauen abrupt in die Wechseljahre. Die Beschwerden und die Behandlungsmöglichkeiten sind die gleichen wie bei "regulären" Wechseljahresbeschwerden.

Symptome und Leitbeschwerden

Nur Hitzewallungen und Schweißausbrüche lassen sich spezifisch den Wechseljahren zuordnen. Etwa 75 % der Frauen leiden darunter, ein Drittel von ihnen stark.

Folgende Beschwerden können während der Wechseljahre auftreten, müssen aber nicht:

Prämenopause:

  • Zunehmend unregelmäßige und seltenere Menstruationen
  • Stärker oder schwächer werdende Blutungen
  • Schmierblutungen kurz vor der Monatsblutung.

Wechseljahre bis Menopause:

  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche
  • Schwindel und Herzrasen
  • Trockenheit und Jucken im Genitalbereich
  • Depressive Stimmungslage
  • Schlaflosigkeit
  • Verlust der Libido
  • Reizbarkeit und Nervosität
  • Abnehmende Leistungsfähigkeit.

Postmenopause:

  • Trockenheit im Genitalbereich und fehlendes Feuchtwerden trotz sexueller Erregung
  • Rücken- und Gelenkbeschwerden
  • Gewichtszunahme
  • Spannungen in der Brust
  • Haarausfall am Kopf
  • Eventuell Haarwuchs im Gesicht ("Damenbart").

Wann zum Frauenarzt

In den nächsten Wochen, wenn die genannten Beschwerden

  • vor dem 40. Lebensjahr auftreten.
  • eine Belastung sind.
  • nach einer längeren blutungsfreien Zeit von über 6 Monaten erneut Blutungen auftreten.

Die Erkrankung

Ursachen

Ab dem 45. Lebensjahr reifen in den Eierstöcken immer weniger Eibläschen und die Menstruationszyklen verlaufen häufig ohne Eisprung (anovulatorische Zyklen). Ohne Eisprung wird kein Gelbkörper gebildet; der Spiegel des Gelbkörperhormons (Progesteron) sinkt. Da jedoch zu diesem Zeitpunkt noch ausreichend Östrogene gebildet werden, wächst die Gebärmutterschleimhaut dennoch weiter und Monatsblutungen finden statt. Durch das Ungleichgewicht von Östrogen und Progesteron wird zu viel Schleimhaut aufgebaut, sodass es zu stärkeren Blutungen in dieser Phase kommt.

In den folgenden Jahren vermindert sich auch die Östrogenproduktion. Es kommt zu unregelmäßigeren Blutungen, die schließlich ganz ausbleiben. Die letzte Blutung wird Menopause genannt. Danach ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Im Durchschnitt tritt die Menopause mit 51 Jahren ein, bei einigen Frauen deutlich früher, bei anderen später. Die Menopause lässt sich nur nachträglich feststellen: Wenn die Menstruation 12 Monate ganz ausgeblieben ist, war die letzte Blutung die Menopause. Findet dieses Ereignis vor dem 40. Lebensjahr ein, liegt eine "vorzeitige Menopause" vor.

Es wird vermutet, dass der Zeitpunkt der letzten Monatsblutung erblich bedingt ist: Sie tritt bei Müttern und Töchtern etwa im gleichen Alter ein. Auch wird der Beginn der Menopause wahrscheinlich von der Zahl der Geburten beeinflusst, weshalb sie bei Frauen in Ländern mit höheren Geburtenraten durchschnittlich früher einsetzt.

Diskutiert wird auch ein Zusammenhang zwischen starkem Rauchen und früh einsetzender Menopause. Auch die Zykluslänge oder Über- und Untergewicht beeinflussen möglicherweise den Beginn. Hierzu fehlen bislang jedoch eindeutige Belege.

Östrogene haben vielfältige Wirkungen auf die Organsysteme des weiblichen Körpers. Durch die hormonellen Veränderungen in den Wechseljahren lassen diese Wirkungen mit der Zeit nach.

Komplikationen

Während die meisten Beschwerden nach einiger Zeit wieder verschwinden, beschleunigt das Ausbleiben der Geschlechtshormone die Arteriosklerose und den Abbau von Knochengewebe (Osteoporose). Dadurch kommt es im Alter leichter zu Knochenbrüchen, am häufigsten in den Wirbeln, gleichzeitig nimmt die Körpergröße ab und die Krümmung der Wirbelsäule ändert sich. In Extremfällen spricht man vom Witwenbuckel.

Manche Quellen behaupten, dass die Wechseljahre das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen. Das ist zwar insofern richtig, als dass Frauen nach den Wechseljahren zwar ein höheres Herzinfarktrisiko haben, allerdings liegt der Grund höchstwahrscheinlich im zunehmenden Alter.

Wechseljahre des Mannes?

Auch wenn das immer wieder behauptet wird: Männer haben keine Wechseljahre, da der Rückgang der Geschlechtshormone sehr allmählich über 30 Jahre erfolgt und auch die Zeugungsfähigkeit, zumindest prinzipiell, lebenslang erhalten bleibt. Ein vorschnelles Nachlassen der Testosteronproduktion kommt aber gelegentlich zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr vor. Dann kann es "wechseljahresähnlichen" Beschwerden kommen.

Diagnosesicherung

Anamnese und Abstrich. Meist kann der Frauenarzt bereits aus der Beschreibung der Symptome die Diagnose Wechseljahresbeschwerden stellen. Durch die Untersuchung von Zellmaterial aus einem Scheidenabstrich erkennt der Arzt, ob bereits ein Östrogenmangel vorliegt.

Blutuntersuchung. Wenn die Beschwerden nicht ungewöhnlich für, also vor dem 40. Lebensjahr auftreten, sind Messungen der Hormonkonzentrationen im Blut nicht unbedingt notwendig. Das Ergebnis zeigt nur, ob und in welcher Phase der Wechseljahre sich die Frau befindet. Es sagt jedoch nichts darüber aus, ob sie noch schwanger werden kann und wie lange sie noch verhüten muss.

Gebärmutterspiegelung. Treten nach bereits seit mindestens 6 Monaten pausierenden Monatsblutungen wieder vaginale Blutungen auf, werden durch eine Gebärmutterspiegelung Tumoren in der Gebärmutter ausgeschlossen.

Knochendichtemessung. Mit der Messung wird eine beginnende Osteoporose erkannt, die sich aber meist erst viele Jahre nach den Wechseljahren klinisch bemerkbar macht. Sie wird vielen Frauen empfohlen, ob sie medizinisch sinnvoll ist, ist umstritten.

EKG. Bestehen Herzbeschwerden, insbesondere Herzrhythmusstörungen, sind diese vom Kardiologen oder Internisten zu klären.

Behandlung

Die Therapie von Wechseljahresbeschwerden verfolgt zwei Ziele: Zum einen will sie akute Beschwerden lindern, zum anderen den langfristigen negativen Auswirkungen auf Knochen und Gefäße vorbeugen. Bei ausgeprägten psychischen Beschwerden wird der Arzt zu einer begleitenden psychotherapeutischen Untersuchung und Behandlung raten.

Pharmakotherapie

Hormonersatztherapie. Da die Symptome vorwiegend auf einen Hormonmangel zurückzuführen sind, galt die Hormonersatztherapie (HET) mit Östrogenen jahrelang als selbstverständliche Antwort auf den Hormonrückgang während der Wechseljahre; die Therapie diente vor allem dazu, typische Wechseljahresbeschwerden zu lindern. In den 1980er-Jahren setzte sich dann die Auffassung durch, dass Hormone auch nach den Wechseljahren vor ernsthaften Erkrankungen schützen – beispielsweise vor Osteoporose, vor koronarer Herzkrankheit (KHK), aber auch vor Demenz. Schließlich nahmen immer mehr Frauen immer länger Hormone ein – auch dann, wenn sie gar keine Wechseljahresbeschwerden hatten.

Das änderte sich erst mit der Women’s Health Initiative Studie (2002). Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine längere Hormonbehandlung Alterskrankheiten nicht vorbeugt, sondern sogar das Risiko erhöht, Herzinfarkt, Schlaganfall und Thromboembolie zu bekommen.

Eine reine Östrogenbehandlung führt außerdem sehr oft zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, woraus Endometrium- oder Gebärmutterkörperkrebs entstehen kann. Diese Wucherungen lassen sich verhindern, wenn zusätzlich zu Östrogenen auch Gestagene eingenommen werden. Deshalb besteht heute die Hormonersatztherapie aus einer Kombination beider Hormone. Allerdings wird auch diese Behandlung nur noch bei besonders starken Wechseljahresbeschwerden und bei vorzeitigem Eintritt der Wechseljahre empfohlen – und auch dann nur für wenige Monate. Nur bei Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde, ist eine alleinige Östrogenbehandlung unbedenklich.

Als Darreichungsformen stehen Tabletten, Gel, Creme, Nasenspray, Spritzen, Vaginalzäpfchen und Pflaster zur Verfügung. Frauen, die an Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen, starkem Übergewicht, ausgeprägten Krampfadern oder Lebererkrankungen leiden, werden ebenso wie Raucherinnen nicht mit Hormonen behandelt. Hatte oder hat eine Frau bereits beispielsweise einen Brust- oder Gebärmutterkörpertumor, dürfen auch ihre Wechseljahresbeschwerden nicht mit Hormonen behandelt werden. Denn diese Krebserkrankung reagiert unter Umständen empfindlich auf Hormone.

Östrogen-Spray. Seit Juni 2016 gibt es das verschreibungspflichtige Östrogen-Spray Lenzetto®. Einmal täglich auf den Unterarm gesprüht, bildet sich in der Haut für 24 Stunden ein Wirkstoffdepot, aus dem der Wirkstoff kontinuierlich in die Blutbahn abgegeben wird. Ein Vorteil des Sprays gegenüber der oralen Einnahme ist die niedrigere Dosierung und damit die Reduzierung der Nebenwirkungen.

Künstliche Hormone. Eine Alternative zur Hormontherapie ist die Behandlung Tibolon, einem künstlichen Hormon, das ähnlich wirkt wie Östrogen oder Gestagen. Studien belegen, dass Tibolon Hitzewallungen lindert. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Schmierblutungen. Bei einer langfristigen Behandlung mit Tibolon drohen bei Frauen über 60 Jahren Schlaganfall sowie ein Wiederauftreten von Brustkrebs. In Deutschland wird Tibolon relativ selten verschrieben; in einigen Ländern wie der Schweiz ist das Medikament auch zur Vorbeugung gegen eine postmenopausale Osteoporose zugelassen.

"Bioidentische" Hormone. Seit einigen Jahren gibt es auch "bioidentische" Hormone wie Progesteron. Progesteron ist wie Östrogen ein weibliches Geschlechtshormon; es wird durch ein chemisches Umwandlungsverfahren aus der Yamswurzel gewonnen. Auch wenn die Bezeichnung "bioidentisch" etwas anderes vermuten lässt, so handelt es sich doch ebenfalls um ein chemisch hergestelltes Produkt.

Weitere Medikamente. Studien haben gezeigt, dass auch Medikamente wie Venlafaxin (gegen Depressionen) oder Gabapentin (gegen Epilepsie) gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche helfen. Allerdings sind sie in Deutschland nur als individueller Heilversuchen einsetzbar (auch off-label use genannt).

Zur Therapie der trockenen und juckenden Scheidenschleimhaut werden lokal wirksame Hormonpräparate wie Cremes, Zäpfchen oder Ringe eingesetzt. Hormonfreie Alternativen sind Pflanzenöle, Gleitmittel und Cremes, die die Scheidenschleimhaut befeuchten.

Ihr Apotheker empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Denken Sie daran: Die Wechseljahre sind ein normaler Lebensabschnitt jeder Frau und vor allem keine Krankheit, die behandelt werden muss. Versuchen Sie, diesen Abschnitt Ihres Lebens möglichst positiv und aktiv zu gestalten. Lassen Sie es sich nicht nehmen, dieser wichtigen Lebensetappe Ihre eigene Prägung zu verleihen, die Sie mit Zufriedenheit erfüllt. Dazu gehört auch, die körperlichen Veränderungen anzunehmen und eventuellen Beschwerden möglichst keinen Krankheitswert zuzuweisen. Im Übrigen verlaufen die Wechseljahre bei jeder Frau anders und das Spektrum reicht von völliger Beschwerdefreiheit bis hin zu schweren körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen. So haben vergleichende Untersuchungen gezeigt, dass sich der eigene Lebensstil, persönliche Umstände, aber auch Kulturkreis und Herkunftsland auf die Wechseljahresbeschwerden auswirken. Folgende Tipps helfen vielen Frauen bei leichten bis mittelstarken Beschwerden:

  • Kleidung. Leiden Sie unter Hitzewallungen, kleiden Sie sich nach dem Zwiebelschalenprinzip und tragen Sie Unterwäsche aus natürlichen Materialien (z. B. Baumwolle, Seide), die auch in feuchtem Zustand noch warmhalten. Die Kleidung sollte bequem und eher weit geschnitten sein.
  • Ernährung. Setzen Sie Soja und andere Hülsenfrüchte (z. B. Erbsen, Bohnen), aber auch Haferflocken, Roggen und Weizen auf den Speiseplan, ihnen wird eine phytoöstrogene Wirkung zugeschrieben (Komplementärmedizin). Zudem gibt es Hinweise, dass der regelmäßige Verzehr dieser Nahrungsmittel Hitzewallungen reduziert.
  • Bewegung. Sportliche Aktivität mildert Hitzewallungen, lässt Sie besser schlafen, baut Stress ab, stärkt Herz und Kreislauf, beugt Übergewicht vor, baut überschüssige Pfunde ab und vermindert das Osteoporoserisiko. Am besten sind Ausdauersportarten (z. B. Walken, Radfahren, Joggen, Schwimmen). Oft ist schon viel gewonnen, wenn Sie im Alltag für mehr Bewegung sorgen, z. B. auf den Fahrstuhl verzichten, stattdessen die Treppe nehmen und/oder Besorgungen zu Fuß oder per Rad erledigen.
  • Physikalische Maßnahmen. Je nach Beschwerdebild helfen physikalische Maßnahmen, die ohne großen Aufwand auch zu Hause möglich sind. Bewährt haben sich z. B. kühle Abwaschungen oder lauwarme Halbbäder als Mittel zur schnellen Selbsthilfe bei Hitzewallungen oder erhöhter Schweißneigung; morgendliche Wechselduschen und regelmäßige Bürstenmassagen auf feuchter Haut (z. B. während des Duschens) zur Anregung des Kreislaufs oder abendliche Wechselfußbäder bei Schlafstörungen. Moorsitzbäder verbessern die Durchblutung im Genitalbereich und lindern Juckreiz. Ebenso empfehlen sich regelmäßige Saunabesuche.

Komplementärmedizin

Pflanzenheilkunde. Die Pflanzenheilkunde bietet eine Reihe von Heilmitteln, deren therapeutischer Nutzen bei Wechseljahresbeschwerden teilweise wissenschaftlich belegt ist. Aber auch wenn deren Nutzen noch nicht bewiesen ist, bedeutet das nicht, dass sie nicht wirksam sind. Manchmal lohnt sich ein Versuch.

Johanniskrautextrakt (Hypericum perforatum, z. B. Aristo®, Hyperforat®, Jarsin®): Für Johanniskraut ist die Wirksamkeit bei depressiven Verstimmungen nachgewiesen.

Mönchspfefferextrakt (Vitex agnus-castus, z. B. Agnolyt ®) eignet sich vor allem zur Linderung der Beschwerden am Anfang der Wechseljahre. Für eine optimale Wirkung wird die längerfristige Einnahme von standardisierten Fertigextrakten empfohlen.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa, z. B. Remifemin®): Einige Produkte sind in Deutschland als pflanzliche Arzneimittel zugelassen. Bis jetzt fehlt jedoch der Nachweis, dass Traubensilberkerze die Wechseljahresbeschwerden lindert. Neuere Studien haben gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Präparate nicht besser wirken als ein Placebo. Außerdem zeigte sich, dass 5 von 100 Frauen, die entsprechende Präparate einnahmen, über Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Rötungen der Haut und Schwindel klagten. Gewöhnlich verschwinden diese Beschwerden nach Absetzen der Mittel wieder. Auch schwere Nebenwirkungen wie Leberschädigungen treten gelegentlich auf. Die europäische Arzneimittelbehörde empfiehlt deshalb, das Präparat sofort abzusetzen und zum Arzt zu gehen, wenn Müdigkeit, Appetitverlust, Gelbfärbung der Augen oder der Haut, auffällig dunkler Urin sowie Oberbauchbeschwerden und Übelkeit auftreten. Außerdem wird davon abgeraten, Traubensilberkerze gleichzeitig mit Östrogenen einzunehmen. Ebenso sollten Frauen mit Brustkrebs keine Traubensilberkerze-Präparate einnehmen.

Nachtkerzenöl (Oenothera biennis) und Ginseng (Panax ginseng): Bislang ist wissenschaftlich nicht belegt, dass Nachtkerzenöl und Ginseng einen lindernden Effekt bei Hitzewallungen haben.

Dong Quai (Angelica sinensis) oder Maca (Lepidium meyenii): Für beide Präparate gibt es bisher keinen Nachweis, dass sie Wechseljahresbeschwerden lindern. Bei einigen Präparaten drohen zudem Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. So können bei gleichzeitiger Einnahme von Ginseng und gerinnungshemmenden Medikamenten wie Heparin oder Acetylsalicylsäure Blutungen auftreten.

Kava Kava (Piper methysticum, Rauschpfeffer): In Deutschland haben Zulassungsbehörden entsprechende Präparate vom Markt genommen, da allergische Reaktionen, Hautprobleme, Leberschäden und Nervenbeschwerden auftraten.

Phytoöstrogene. Sie gelten als "sanfte" Alternative zur Hormonersatztherapie. Phytoöstrogene wirken wie körpereigene Hormone – allerdings leicht abgeschwächt. Soja und Rotklee enthalten Isoflavone, pflanzliche Inhaltsstoffe, die auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden, da ihre chemische Struktur dem menschlichen Hormon Östrogen ähnelt und daher auch eine hormonähnliche Wirkung entfalten. In Deutschland sind die Substanzen nur als Nahrungsergänzungsmittel oder diätetische Lebensmittel zugelassen und nicht als Arzneimittel. Aus diesem Grund ist es auch kompliziert, Nutzen und Risiken von Phytoöstrogenen zu bewerten.

Soja: Ein therapeutischer Nutzen von Sojapräparaten, der die Wirkung eines Scheinmedikamentes (Placebo) übertrifft, wurde bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Zwar scheinen Soja-Isoflavone bei einigen Frauen die Stärke und Häufigkeit von Hitzewallungen zu verringern, aber diese Wirkung verdankt sich höchstwahrscheinlich den Erwartungen der Frauen. Eine kurzfristige Einnahme von Soja-Isoflavonen scheint unbedenklich, bei längerer Einnahme und hoher Dosierung schließen Ärzte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden nicht aus. Bedenklich ist vor allem eine Häufung von östrogenabhängigen Krankheiten wie Brustdrüsen- oder Gebärmutterkrebs, die zumindest droht, wenn die Soja-Präparate höherdosiert und längere Zeit angewendet werden. Deshalb wird empfohlen, Präparate mit Soja-Isoflavonen längstens 10 Monate in einer Maximaldosis von 100 mg pro Tag einzunehmen. Sind östrogenabhängige Krankheiten im Familienumfeld bekannt, zum Beispiel Brustdrüsen- oder Gebärmutterkrebs, sollte auf Phytoöstrogene grundsätzlich verzichtet werden.

Rotklee (Trifolium pratense, z. B. Menoflavon®): Rotkleepräparate enthalten ebenfalls Isoflavone, die im Körper ähnlich wirken wie Östrogene. Ein therapeutischer Nutzen gegen Hitzewallungen oder Schweißausbrüche wurde bisher noch nicht nachgewiesen. Eventuelle Nebenwirkungen von Rotklee sind bislang kaum erforscht.

Rhapontik-Rhabarber (Rheum rhaponticum z. B. Phytoestrol® N). Seit Kurzem steht mit einem Trockenextrakt aus den Wurzeln des Rhapontik-Rhabarbers ein weiteres pflanzliches Mittel zur Verfügung, das die gleichen Hormonwirkungen wie künstlich hergestellte (synthetische) Östrogene haben soll. Er soll vor allem bei Hitzewallungen, Depressionen oder Ängstlichkeit helfen. Abgesehen davon, dass seine Wirksamkeit derzeit noch nicht ausreichend belegt ist, sind Nebenwirkungen wie bei der konventionellen Hormonersatztherapie zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht auszuschließen, und das Präparat wird deshalb (noch) nicht empfohlen.

Teemischungen. Zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden haben sich verschiedene Teemischungen bewährt, z. B. aus Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Schafgarbe (Achillea millefolium) und Salbei (Salvia officinalis), sowie Tees zur gezielten Milderung von einzelnen Symptomen, z. B. mit Johanniskraut (Hypericum perforatorum) zur Stimmungsaufhellung, Hopfenblüten (Humulus lupulus), Baldrian (Valeriana officinalis) und Melisse (Melissa officinalis) gegen Schlafstörungen, Salbei (Salvia officinalis) bei vermehrter Schweißneigung und Weißdorn (Crataegus) bei nervös bedingten Herzbeschwerden.

Homöopathie. Die Homöopathie empfiehlt z. B. Pulsatilla, Sepia, Belladonna und Cimicifuga. Daneben bietet sie fertig zubereitete Komplexmittel (z. B. Cimicifuga Pentarkan®).

Entspannungsverfahren. Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Yoga und Autogenes Training aber auch Yoga, Achtsamkeitstraining und Massagen helfen – regelmäßig angewendet – Spannungen und nervöse Unruhezustände abzubauen, verbessern das Körpergefühl und fördern psychische Ausgeglichenheit. Darüber hinaus wirken sich Entspannungsübungen offenbar positiv auf Hitzewallungen aus. Es braucht aber 2–3 Monate, bis eine solche Entspannungstechnik wirkt.

Beckenbodentraining. Bei Blasenschwäche und Inkontinenz hat sich regelmäßiges Beckenbodentraining bewährt.

Akupunktur und Elektroakupunktur. Die beiden Verfahren Akupunktur und Elektroakupunktur lindern Hitzewallungen und andere Wechseljahresbeschwerden; eine zumindest vorübergehende Verbesserung ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen.

Prävention

Orthomolekularmedizin. Die Orthomolekularmedizin nennt Vitamin E zur Verringerung von Hitzewallungen; ein wissenschaftlicher Nachweis steht aber noch aus. Gesichert ist dagegen der vorbeugende Effekt einer regelmäßigen ausreichenden Kalziumaufnahme gegen Osteoporose. Kalziumreiche Lebensmittel sind beispielsweise Frischmilch, Käse und andere Milchprodukte.

Gesunder Lebensstil. Reduzieren Sie Ihren Nikotin-, Kaffee- und Alkoholkonsum oder hören Sie ganz damit auf – aber verbieten Sie sich nichts! In Maßen ist alles erlaubt.

Weiterführende Informationen

  • www.gut-durch-die-wechseljahre.de – Kommerzielle, aber sehr informative Internetseite aus Berlin: Mit Diskussionsforum, vielen Selbsthilfetipps und kostenloser Broschüre zum Herunterladen (Rubrik Broschüren).
  • M. Kiechle: Wechseljahre als Chance. Droemer Knaur, 2003. Fachärztlicher Ratgeber mit ausführlichen Informationen und praxisnahen Tipps zu alternativen Medikamenten und Therapien.
  • Verbraucher Zentrale NRW (Hrsg., 2003): Wechseljahre. Was Frauen wissen sollten. Neben allen medizinischen Informationen und Alternativtherapien gibt es Tipps zu Ernährung und Lebensstil sowie einen Blick in andere Kulturen.

Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Astrid Waskowiak, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 19.06.2018 um 11:03


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