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Sprech- und Sprachstörungen



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Sprechstörungen: Gestörte Artikulation von Sprachlauten.

Sprachstörungen: Gestörte gedankliche Erzeugung von Sprache.

Sprech- und Sprachstörungen liegt eine Veränderung im Sprachbildungsvorgang zugrunde, der sehr viel komplexer ist als die Stimmbildung.

Die Erkrankungen

Sprechstörungen

Beim Stottern und Poltern ist der Redefluss betroffen. Beim Stottern kommt es immer wieder zu unfreiwilligen Pausen oder Wiederholungen von Lauten, Silben oder ganzen Worten. In der Kindheit stottert mehr als jeder fünfte Junge und mehr als jedes zehnte Mädchen vorübergehend. Fast immer gibt sich das Stottern von selbst wieder – nur wenn es viele Monate andauert, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich verfestigt. Im Erwachsenenalter ist noch etwa 1 % der Menschen betroffen. Als Ursachen werden eine genetische Veranlagung zu hypernervösem Verhalten oder emotionale Unausgeglichenheit vermutet, die Verstetigung soll an einer neuropsychologischen Prägung liegen – Nachweise fehlen jedoch noch.

Beim häufig mit dem Stottern verwechselten Poltern verwischt die Aussprache durch zu schnelles Reden und verschluckte Laute. Wenn sich Polterer auf die Sprechweise konzentrieren, können sie normal sprechen (abhängig von der individuellen Konzentrationsfähigkeit). Die Betroffenen empfinden ihre Sprechweise selbst meist nicht als Störung.

Als Stammeln (Dyslalie) bezeichnet man Störungen der Lautbildung. Besonders oft sind Zischlaute betroffen – z. B. beim Lispeln (Sigmatismus). Bei kleinen Kindern (bis zum 4. Geburtstag) tritt Stammeln fast immer vorübergehend auf.

Sprachstörungen

Eine verzögerte Sprachentwicklung geht häufig mit anderen Entwicklungsverzögerungen einher, sie kann sowohl organische Ursachen (z. B. eine nicht erkannte Schwerhörigkeit) als auch psychische oder soziale Ursachen (z. B. Vernachlässigung) haben. Beim Dysgrammatismus fehlt z. B. die Fähigkeit, Sprache nach den Regeln der Grammatik und des Satzbaus richtig zu bilden. Typische Anzeichen sind z. B. Fehler in der Wortbeugung oder eine vertauschte Reihenfolge der Wörter im Satz. Bis zum 3. Geburtstag ist das völlig normal, danach weisen deutliche Abweichungen von gleichaltrigen Kindern jedoch auf eine gestörte Sprachentwicklung hin.

Von Sprachverlust (Aphasie) spricht man dagegen, wenn das Sprachvermögen bereits vorhanden war, aber dann verloren geht. Fast immer sind neurologische Probleme wie Durchblutungsstörungen im Gehirn (z. B. ein Schlaganfall), Hirntraumata oder Hirntumoren daran schuld. Die Aphasie kann alle Teilbereiche der Sprache betreffen: vom Zuhören über Wortfindung und Satzbau bis hin zu Aussprache und Sprachfluss. Teilweise sind auch die Lese- und Schreibfähigkeit sowie die Rechenfähigkeit gestört.

Das machen Arzt und Logopäde

So vielfältig wie die Ursachen und Ausprägungen ist auch die Behandlung von Sprech- und Sprachstörungen. Nicht umsonst haben sich die Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen auf diese Erkrankungen spezialisiert. Organische Ursachen lassen sich teilweise durch eine zielgerichtete medikamentöse Behandlung oder einen operativen Eingriff beseitigen. Bei funktionellen Störungen hilft meist eine individuelle logopädische Behandlung.

Bei Kindern sind Sprech- und Sprachstörungen eine verbreitete Phase in der Sprachentwicklung. Auch wenn sie den Eltern unter Umständen Sorge bereiten – bis zu einem gewissen Alter und Schweregrad sind sie normal und müssen nicht behandelt werden. Zu viel Aufmerksamkeit verschlimmert das Problem unter Umständen sogar. So ist es sehr ungünstig, ein betroffenes Kind immer wieder auf sein Stottern aufmerksam zu machen: Dies verstärkt die Blockaden im Gehirn nur. Ab dem 4. Geburtstag (bei großem Leidensdruck auch früher) sollten Sprech- und Sprachstörungen aber mit einem Logopäden besprochen werden, um eventuellen Therapiebedarf zu erkennen.

Im Erwachsenenalter erzielt eine logopädische Behandlung praktisch immer Verbesserungen, allerdings verschwinden die Störungen selten völlig. Bei einem Sprachverlust durch neurologische Ursachen bringt eine logopädische Behandlung vor allem innerhalb des ersten Jahres spürbare Besserung, später sind nur noch kleinere Fortschritte zu erzielen.

Weiterführende Informationen

  • www.bvss.de – Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e. V., Köln: Fundierte und unabhängige Informationen.
  • www.sprachheilpaedagogik.de/stottern – Gute, werbungsfreie Website zum Thema Stottern.
  • www.forum-poltern.de – Privates Forum zum Thema Poltern, betrieben von einer Diplom-Logopädin aus Bonn.
  • J. Tesak: Aphasie. Sprachstörungen nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. Schulz-Kirchner, 2002. Etwas altmodisch aufgemachter, aber inhaltlich hilfreicher Ratgeber für Angehörige und Betroffene mit vielen praktischen Beispielen.
  • M. Decher: Redefluss. Keine Angst vorm Stottern. Books on demand, 2006. Erfahrener Logopäde gibt Tipps und Einblicke in seine Berufserfahrung.

Von: gesundheit-heute.de; Prof. Dr. med. Gerhard Grevers | zuletzt geändert am 29.04.2016 um 11:39


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