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Altersschwerhörigkeit



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis): Altersabhängige, meistens beidseitig bestehende Innenohrschwerhörigkeit bei Personen über 50 Jahren.

Charakteristischerweise gehen zunächst die hohen Frequenzen verloren. Noch stärker als das Tongehör ist das Sprachverstehen beeinträchtigt, vor allem wenn sich mehrere Personen gleichzeitig unterhalten. Mit 90 Jahren sind 90 % von der Altersschwerhörigkeit betroffen, Männer deutlich häufiger als Frauen.

Symptome und Leitbeschwerden

  • Probleme beim Sprachverstehen, vor allem bei Hintergrundgeräuschen
  • Verstärkte Lärmempfindlichkeit
  • Eventuell Tinnitus.

Wann zum Arzt

In den nächsten Wochen, wenn

  • das Sprachverstehen nachlässt.

Die Erkrankung

Verlauf

Altersschwerhörigkeit entwickelt sich in der Regel allmählich, tritt jedoch wie die Alterssichtigkeit längst nicht bei allen Menschen auf. Erste Anzeichen sind bereits im vierten Lebensjahrzehnt möglich. Ab dem fünften Lebensjahrzehnt nimmt das Beschwerdebild deutlich zu. So leidet in der Gruppe der über 65-Jährigen etwa die Hälfte der Männer und ein Viertel der Frauen unter Altersschwerhörigkeit.

Anfangs können die Betroffenen andere Personen im Gespräch schlecht verstehen, besonders bei starken Hintergrundgeräuschen. Des Weiteren nimmt das Schallempfinden ab, was zunächst die hohen Töne und später auch die tieferen betrifft. Paradoxerweise tritt gleichzeitig eine Lärmüberempfindlichkeit auf – "Kind, schrei nicht so, ich bin doch nicht schwerhörig!" – wodurch laute Geräusche und Lärm als äußerst unangenehm empfunden werden. Die Altersschwerhörigkeit verschlechtert sich in aller Regel mit zunehmendem Alter; Ausmaß und zeitlicher Verlauf sind jedoch individuell verschieden und nicht vorhersehbar.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen sind bisher nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird eine Kombination verschiedener im Lebensverlauf auftretender körperlicher Veränderungen und äußerer Einflüsse.

Dazu gehören normale Alterungsvorgänge des Körpers wie Ablagerungen von Stoffwechselprodukten in Zellen oder Elastizitätsverluste bestimmter Gewebe. Wahrscheinlich spielt auch erbliche Veranlagung eine gewisse Rolle. Hinzu kommt eine lebenslange Anhäufung verschiedener das Gehör schädigender Ereignisse, wie dauerhafte Lärmbelästigung, Genussmittel, Umweltgifte und Mittelohrerkrankungen.

Diagnosesicherung

Der Arzt beurteilt das Ausmaß des eingeschränkten Hörens von Tönen und Sprache anhand verschiedener Hörtests wie dem Tonaudiogramm und dem Sprachaudiogramm.

Behandlung

Medikamentöse oder operative Behandlungsmaßnahmen gibt es nicht. In vielen Fällen ist die Versorgung mit einem Hörgerät die einzig sinnvolle Behandlung.

Hörgerät-Typen

Es gibt verschiedene Typen von Hörgeräten, die alle nach demselben Prinzip funktionieren: Mikrofone empfangen den Schall aus der Umgebung, verstärken ihn pegel- und frequenzabhängig und leiten ihn über einen Lautsprecher an das Ohr weiter.

Digitale Hörgeräte verfügen oft über eine Vielzahl von Funktionen, die z. B. das Telefonieren erleichtern oder die Eigengeräusche des Körpers wie Kauen, Schlucken oder Sprechen ausfiltern. Teilweise haben sie spezielle Sprach- und Situationserkennungsprogramme, unterdrücken Rückkopplungen und Mikrofonrauschen, sind fernbedienbar und kompatibel für unterschiedlichstes Zubehör. Den nötigen Strom erhält das Hörgerät über Knopfzellen; sie halten je nach Verbrauch 1–4 Wochen.

HdO-Geräte. Bei Hinter-dem-Ohr-Geräten (HdO-Geräten) sitzt das eigentliche Hörgerät hinter dem Ohr und ist über einen Schallschlauch mit einem Ohrpassstück (Otoplastik) verbunden, das in das Ohr eingesetzt wird. Sie bieten die vielfältigsten Möglichkeiten, Hörschäden zu versorgen. Moderne Varianten besitzen meist zwei Mikrofone und können so die Sprache von vorne oder andere gewünschte Geräuschquellen gezielt verstärken und nicht erwünschte Geräusche, wie z. B. die Musik von hinten, reduzieren.

Bei HdO-Geräten liegen die Mikrofone hinter dem Ohr und der Lautsprecher nahe des Trommelfells – also weit auseinander. Dieser große Abstand ermöglicht eine hohe Verstärkung, mit der sich auch eine starke Schwerhörigkeit korrigieren lässt. Sitzen Mikrofon und Lautsprecher zu nahe beieinander, gibt es schnell störende Rückkopplungen. Ein weiterer bauartbedingter Vorteil ist, dass das Ohrpassstück nicht den kompletten Gehörgang ausfüllen muss. Ein durchgängiges Ohrpassstück reflektiert dagegen den vom Körper selbst erzeugten Schall und erzeugt so einen dumpfen Klang. Bei leichter Schwerhörigkeit kann bei HdO-Geräten z. B. durch eine Bohrung ein Stück frei bleiben, sodass ein Druckausgleich möglich wird und ein natürlicheres Hörgefühl entsteht. HdO-Geräte lassen sich zudem einfach reinigen und sind sehr robust – sie können z. B. schon kurz nach dem Duschen ins Ohr eingesetzt werden, auch wenn der Gehörgang noch nicht ganz trocken ist. HdO-Geräte erfordern etwas Übung beim Telefonieren, da das Mikrofon hinter dem Ohr sitzt. Heute werden vielfach so genannte Mini-HdO-Geräte mit einer extrem kleinen Schlauchhalterung und einem offenen Ohrpassstück eingesetzt.

IO-Geräte. Im-Ohr-Geräte (IO-Geräte) sitzen vollständig im Ohr und lassen sich leicht einsetzen bzw. wieder herausnehmen. Die nötige Elektronik befindet sich in einem individuell angepassten Gehäuse, das in den Gehörgang gesteckt wird. Da das Mikrofon im Gehörgang sitzt, nutzen IO-Geräte die Form der Ohrmuschel für ein natürliches Richtungshören. IO-Geräte sind sehr unauffällig und eignen sich gut für Brillenträger, da der Platz hinter den Ohren frei bleibt. Ihre geringe Größe bringt jedoch auch Nachteile mit sich: In den kleinen Gehäusen hat nur eine kleine Batterie Platz, sodass auf manche Funktionen verzichtet werden muss. Außerdem sind die winzigen Mikrofon-, Hörer- und Belüftungsöffnungen schwierig zu reinigen und reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit.

Die IO-Geräte werden zunehmend kleiner und weniger sichtbar: Während das "In-The-Ear"-Gerät noch die gesamte Ohrmuschel ausfüllt, schließt das "In-The-Canal"-Gerät mit dem Gehörgang ab und ist kaum noch zu sehen. Noch winziger ist das "Complete-In-Canal"-Gerät. Das "Invisible-In-The-Canal"-Gerät sitzt schließlich so tief im Bereich der zweiten Gehörgangskrümmung, dass es von außen überhaupt nicht mehr wahrnehmbar ist. Aber: die Hörverbesserung der IO-Geräte reicht nicht an die von HdO- und Mini-HdO-Geräten mit mehreren Mikrofonen heran. Auch können die kleinsten Invisible-In-The-Canal-Geräte nur noch vom Hörgeräteakustiker oder Arzt herausgenommen werden – dafür darf man mit ihnen auch duschen.

Anpassung des Hörgeräts

Die Auswahl des geeigneten Geräts richtet sich nach dem individuellen Hörbefund und den Wünschen des Patienten. Die Verordnung des Hörgeräts erfolgt durch den HNO-Arzt, anschließend übernimmt in der Regel ein Hörgeräteakustiker seine Anpassung. Die Anpassung und das Training mit dem neuen Hörgerät dauern etwa 3–4 Monate.

Ton- und Sprachaudiogramm liefern lediglich eine Empfehlung für die Auswahl des Hörgerätetyps und dessen Einstellung. So lassen sich grobe Richtwerte für die Anpassung von Tonhöhen (Frequenzen) und Lautstärke (Dynamik) ableiten, die dann an das Hörempfinden des Betroffenen angepasst werden. Dazu spielt der Arzt oder Hörgeräteakustiker dem Hörgeräteträger Klangbeispiele aus dem alltäglichen Leben vor und lässt ihn diese bewerten, bis er die Lautstärke, Klangfarbe, Sprachverständlichkeit und Störgeräusche als angenehm empfindet.

Für Kinder eignen sich ausschließlich HdO-Geräte, da ihre Ohrmuschel noch wächst und die Ohrpassstücke leichter "mitwachsen".

Hörgerät-Finanzierung

In der Bundesrepublik beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Festbetrag an den Kosten eines Hörgeräts. Für diesen Festbetrag sind jedoch – wenn überhaupt – nur sehr einfache Geräte erhältlich. Nur bei zwingenden medizinischen Indikationen übernehmen die Kassen höhere Kosten.

Bei Berufstätigen können öffentliche Einrichtungen wie das Arbeitsamt, die Rentenversicherungsanstalt oder Landeswohlfahrtsverbände das Hörgerät als Arbeitshilfsmittel oder zur Teilnahme am Berufsleben bezuschussen.

Zusätzlich zum Festzuschuss bezahlt die Kasse dem Hörgeräteakustiker, der das Hörgerät anpasst, sechs Jahre lang eine Reparaturpauschale, in der die Anpassung, Beratung und kleinere Instandhaltungsarbeiten enthalten sind.

Knochenleitungshörgeräte und Implantate

Wenn das äußere Ohr bzw. der Gehörgang fehlgebildet ist, kann das Hörgerät oft nicht über ein Ohrpassstück befestigt werden. Sofern vor allem die Luftleitung gestört ist, helfen Hörgeräte, welche die Knochenleitung verstärken. Diese Hörhilfen geben den Schall in Form von Schwingungen über den knöchernen Warzenfortsatz an das Innenohr weiter. Diese Geräte heißen Knochenleitungshörgeräte (KL-Geräte).

Häufig werden Knochenleitungshörgeräte an Hörbrillen befestigt – einer Kombination aus Seh- und Hörhilfe, bei der die Hörgeräte an den Brillenbügel montiert sind. Vom Brillenbügel aus übertragen sie Vibrationen auf den Warzenfortsatz hinter dem Ohr und versetzen so über den Schädelknochen das gesamte Mittel- und Innenohr in Schwingungen. Knochenleitungshörgeräte können auch mit einer Titanschraube direkt am Knochen befestigt werden.

Implantierbare Hörgeräte. Zeigen gewöhnliche Hörgeräte keinen Erfolg, können Knochenleitungshörgeräte auch implantiert werden. Implantierbare Hörgeräte (Mittelohrimplantat) wie die Vibrant Soundbridge® bestehen aus einem inneren Teil, der in den Warzenfortsatz eingebaut wird, und einem äußeren Teil, der außen hinter dem Ohr getragen wird. Das Mikrofon und die Elektronik sitzen im äußeren Teil. Dieser wird durch einen unter die Haut implantierten Magneten gehalten oder kann auf eine Titanverankerung gesteckt werden. Der innere Teil empfängt das Signal direkt unter der Haut und leitet es über ein Kabel an den Signalgeber weiter, der die Gehörknöchelchenkette direkt bewegt (z. B. am Amboss ansetzend).

Cochlea-Implantat

Ein Sonderfall unter den Hörhilfen ist das Cochlea-Implantat (CI-System), das sogar Tauben eine auditive Wahrnehmung ermöglicht, sofern ihr Hörnerv funktioniert. Es umgeht das geschädigte Innenohr und leitet die Höreindrücke als elektrische Impulse direkt an den Hörnerv weiter.

Aufbau und Prinzip. Das Cochlea-Implantat besteht aus einem inneren und einem äußeren Teil.

  • Während einer Operation unter Vollnarkose implantiert der Arzt eine Empfangsspule und einen Magneten in eine ausgefräste Mulde im Schädelknochen und führt von dort aus Elektroden in die Gehörschnecke ein.
  • Der äußere Teil besteht aus einem Mikrofon, einem Signalprozessor, der die Sprache in elektrische Impulse umwandelt und einer Sendespule. Er wird bei modernen Cochlea-Implantaten wie ein normales Hörgerät hinter dem Ohr getragen und durch den Magneten gehalten. Manche Cochlea-Implantate verfügen über ein separates Gehäuse für den Signalprozessor, das am Gürtel getragen wird.

 

Erfolgschancen. Die mit einem Cochlea-Implantat übermittelten Höreindrücke unterscheiden sich stark von den Sinneseindrücken eines normal Hörenden. In Rehabilitationszentren wird deshalb geübt Geräusche und Sprache wiederzuerkennen. Nach einigen Monaten Training gelingt das meist so weit, dass Sprache wieder verstanden wird.

Manche Patienten erhalten nur auf einer Seite ein Implantat, manche auch beidseits. Mit zwei Implantaten gelingt das Sprachverständnis in unruhigen Situationen und das Richtungshören in der Regel besser. Der Erfolg hängt auch von der Ertaubungsdauer, der Sprachkompetenz, dem Zustand der Hörnerven und von der Motivation zum Trainieren und Erlernen der ungewohnten Höreindrücke, bzw. für Sprachlaute überhaupt, ab. Besonders erfolgreich verläuft die Behandlung daher bei Erwachsenen, die erst kürzlich ertaubt sind und zeitnah mit Cochlea-Implantaten versorgt werden. Gehörlos geborene Erwachsene profitieren kaum von einer Implantatversorgung.

Versorgung von Kleinkindern. Dass taube Kleinkinder mit Cochlea-Implantaten versorgt werden sollen, wird von ebenfalls gehörlosen Eltern häufig angezweifelt. Der Erfolg ist am größten, wenn sie in den ersten zwei Lebensjahren implantiert werden. Aus medizinischer Sicht ist dies das Beste. Sind die Eltern selbst gehörlos, fürchten sie oft, dass die Gebärdensprache und ihre eigene Gehörlosenkultur durch die Konzentration auf die Lautsprache an den Rand gedrängt werden. Als Kompromiss wachsen diese Kinder oft "bilingual" auf, d. h. sie erlernen zuerst die Gebärdensprache und später die Lautsprache. Entsprechend erhalten sie auch erst später Cochlea-Implantate.

Komplikationen bei Cochlea-Implantaten. Träger von Cochlea-Implantaten sind besonders gefährdet, an einer Mittelohrentzündung zu erkranken, aus der sich eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung entwickeln kann. Um dieser vorzubeugen, empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission) Cochlea-Implantat-Trägern Impfungen gegen die häufigsten Erreger der Mittelohr- und Hirnhautentzündung, also Haemophilus influenzae Typ B, Streptokokken, Pneumokokken sowie Meningokokken.

Ihr Apotheker empfiehlt

Prävention

Musizieren. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass lebenslanges Musizieren dem altersbedingten Gehörverlust vorbeugt. Denn auf welche Weise ein Leben lang Geräusche aufgenommen werden, wirkt sich stark auf das Nervensystem aus. Musikalische Menschen haben eine bessere Hör- und Sprachfähigkeit und können in lauter Umgebungen besser kommunizieren. Wer schon im Kindesalter musiziert, ist im Vorteil. Doch auch im hohen Lebensalter ist es nicht zu spät, damit zu beginnen. Ein intensives Musiktraining kann auch hier noch das Hör- und Sprachvermögen verbessern.

Weiterführende Informationen

  • www.schwerhoerigen-netz.de – Deutscher Schwerhörigenbund e. V., Berlin: Enthält einen guten und sehr ausführlichen Ratgeber (auch als CD bestellbar) sowie Adressen von Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland.
  • www.dcig.de – Deutsche Cochlea Implant Gesellschaft e. V., Illertissen: Mit Adressen von Selbsthilfegruppen und spezialisierten Kliniken. Weitere Informationen zur Verbandszeitschrift "Schnecke" finden sich unter www.schnecke-ci.de.

Von: gesundheit-heute.de; Prof. Dr. med. Gerhard Grevers | zuletzt geändert am 17.09.2018 um 11:23


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